Unsere Tochter Ramona Teil 4 - Heimkehr

Eine schwere Nacht stand uns bevor. An Schlaf war nicht zu denken. Immer mehr wurde es zur Gewissheit: wir mussten mit dem schlimmsten rechnen. Am nächsten Morgen fuhr ich in die Firma. Was sollte ich auch tun? Die Mitarbeiter hatten die Fernsehsendung mitbekommen und fragten besorgt nach. Um acht Uhr läutete mein Telefon. Meine Sekretärin meldete einen Anruf der Polizei Hohenems. Mein Herz pochte als ich den Anruf entgegennahm. Der mir bekannte Polizeikommandant wollte sich in einigen Minuten zu mir in die Firma kommen. Oh, ja, spätestens jetzt hatte ich Gewissheit. Einige Minuten blieben mir um durchzuatmen, so gut es ging.

Das Polizeiauto bog in unsere Einfahrt ein. Sofort begab ich mich zur Eingangstüre. Die Polizisten überbrachten mit möglichst schonenden Worten die Todesnachricht. Jetzt war sie da. Die Bestätigung dessen war wir geahnt hatten. Ich hielt mich am Treppengeländer fest und setzte mich auf eine Stufe. Ein Spaziergänger hatte am frühen Morgen Ramonas Auto in der Nähe eines Betonwerkes entdeckt. Ramona war bereits tot. Sie war durch die Verpuffung des von ihr entzündeten Benzinkanisters im Auto erstickt. Uff! Es gelang mir mich bei den Polizisten zu bedanken. Ich ging ins Büro mit den Worten: „wir haben keine Ramona mehr!“ Danach fuhr ich nach Hause und teilte Irida und Michi die schreckliche Botschaft mit. Ein enger Mitarbeiter holte unseren älteren Bruder von einer Baustelle ab. So saßen wir nun da und trösteten uns gegenseitig.

Und doch war Irida und mir rasch klar, Ramona war freiwillig gegangen in die Welt, in die Dimension in die sie nach der Jugendzeit zurückkehren wollte. Nach und nach trafen Verwandte und Freunde ein. Alle weinten und waren außer sich vor Schmerz. Irida und ich trösteten sie. Ja, wir trösteten die anderen die das Geschehene nicht verstehen konnten. Gestärkt durch unsere Erlebnisse nicht zuletzt beim Engelseminar hatten wir einen anderen Blick. Wir waren dankbar, unendlich dankbar für die mehr als 22 wunderschönen Jahre die wir mit unserer geliebten Tochter Ramona verbringen durften. Diese wunderbaren Erlebnisse, diese Freuden, diese Liebe. Nein, niemand, niemand würde uns je diese Zeit wegnehmen können. Intuitiv konnten wir Ramona verstehen. Wie sehr würden wir erst später erfahren.

In den nächsten zwei Tagen blieb uns wenig Zeit zur Ruhe zu kommen. Ab und zu läutete das Telefon. Bekannte sprachen uns ihr Beileid aus. Einige Freunde erschienen persönlich. Viele aus unserem Bekanntenkreis konnten mit dem Freitod von Ramona nicht umgehen, hielten sich zurück, konnten und wollten nicht mit uns sprechen, wussten nicht was sie uns sagen sollten, ja gingen uns anfangs aus dem Weg. Gerade in diesen Tagen und den später folgenden Zeit durften wir erfahren welche unserer Freunde tatsächlich zu uns standen und uns unterstützten. Im engeren Familienkreis und der Verwandtschaft hielten sich die Hilfe und das Verständnis in Grenzen. Wir mussten sogar unser Verhalten und unsere Vorstellungen über die nötigen Abläufe rechtfertigen!

Am 24. Dezember, am Heiligen Abend, am Geburtstag von Irida fand der Trauergottesdienst statt. Im engeren Kreis, nur die Familie, die engsten Verwandten und Freunde, die Mitarbeiter, mehr sollten wir nicht dabei sein. Zudem war zu dieser Zeit ein „ordentliches, christliches“ Begräbnis und was so alles dazugehört für Menschen die den Freitod gewählt hatten nicht denkbar. Aber das spielte uns für keine Rolle. Wir taten das was wir für richtig und stimmig fühlten, für Ramona und für uns. Am Nachmittag meldete sich der Stadtarzt mit dem wir befreundet waren. Bei der Untersuchung von Ramona wurde festgestellt, dass sie eine verborgene, unheilbare, schlussendlich tödliche „Krankheit“ in sich hatte die sich in den nächsten Jahren mit großen Schmerzen gemeldet hätte. Ramona hatte also vorgesorgt. Sie wollte nur „Kind sein“, nur bei uns in der Familie. Doch erst später haben wir ihren Lebensplan erkannt und verstanden.

Während der Weihnachtsfeiertage kamen wir langsam zur Ruhe, hatten Zeit für uns. Zeit für unsere Trauerarbeit, so wie wir dies wollten. Behutsam versuchten wir mit Michi umzugehen, ihn zu begleiten. Für unseren 12-jährigen waren die Geschehnisse natürlich besonders einschneidend. Seine geliebte Schwester war nicht mehr bei uns. Und doch war sie bei uns. Sehr nahe! Irida erhielt Durchsagen von Ramona. Im Schlaf und im Wachsein: „ich bin im Licht. Sorgt euch nicht. Ich weiß dass ihr euch nicht gut fühlt. Bitte verzeiht mir. Doch es war mein Wille. Ich bin nicht mehr die Gefangene meines Körpers. Von hier aus kann ich euch besser helfen. Alles ist gut. Ich begleite euch. Ich bin bei euch“. Dies ist nur eine kleine Zusammenfassung der Durchsagen die wir in dieser und späterer Zeit von Ramona erhielten. Einige Frauen die sich mit ihrer Spiritualität befassten und wir von Seminaren kannte meldeten sich. Auch sie hatten Durchsagen von Ramona erhalten. Sie ähnelten denen die Irida erhielt sehr. Ausdrücke, Redewendungen die eindeutig von Ramona stammten. Das Medium, mit der wir Kontakt hatten, die uns damals sagte: „ich sehe bei Ramona nichts“, meldete sich. Ramona sei ihr am Abend des 20. Dezember erschienen, habe in wunderbarer Leichtigkeit getanzt, gelacht. Nur mit Mühe konnte die Frau Ramona überreden wieder zu „gehen“. Ja, sie war gegangen. Dorthin wo sie wollte.

Die nächsten Monate vergingen schnell. Der Kontakt zu Ramona war stets spürbar. Oft habe ich sie gesehen, mit ihr geredet, die wunderbaren Energien gespürt. Und stets tröstende, aufbauende Worte vernommen. Alles in allem waren wir in tiefer Dankbarkeit für all das was wir mit unserer geliebten Tochter erleben durften. Nach und nach wurden uns die Zusammenhänge klar. Geschehnisse, Abläufe die wir erst jetzt wie ein Puzzle zusammensetzen konnten. Ja, Ramona hatte ihr geplantes Zurückkehren zu ihrem Ursprung sehr gut vorbereitet. Im Alter von 22 Jahren begann ihr Rückzug vom irdischen Dasein. So, dass wir uns langsam „gewöhnen“ konnten. Nicht abrupt. Durch unsere gemeinsam besuchten und gelebten Seminare waren wir gestärkt. Insbesondere das Engelseminar hatte uns den bewussten Zugang zur Geistigen Welt geöffnet. Ramona konnte nach und nach Abschied nehmen, uns loslassen. Als Übergang in die nächste Dimension wählte sie die Nacht der Wintersonnenwende. Den kürzesten Tag, die längste Nacht. Den Zeitraum an dem die Verbindung zu unserem Ursprung außergewöhnlich stark und die Tür weit offen ist.

Die Durchsagen von Ramona, die diesbezüglichen Meldungen einiger Frauen waren uns in dieser Zeit sehr hilfreich. Viele beschriebene Zeilen, Blätter kamen zusammen. Immer wieder lasen wir die Durchsagen. Manche der im „Traumzustand“ aufgeschriebenen Durchsagen waren schwer leserlich und mussten von uns „entziffert“ werden. Immer wieder die im Grunde um im Sinne gleichen Durchsagen: „ich bin im Licht, mir geht es gut, ich kann euch jetzt besser helfen, bitte versteht mich.“ In einer Durchsage „sprach“ Ramona von einem Hund im Ried. Damit konnten wir zu dieser Zeit nichts anfangen. Im Jänner 2001 entschieden wir uns für einen Hund. Nicht zuletzt für Michi der sich einen vierbeinigen Gefährten wünschte, aber auch ich für mich. Als wir eine junge Hündin namens Lucky aus dem Tierheim holten wussten wir nichts von ihrer Herkunft. Erst später erfuhren wir ihren Geburtsort: Frühjahr 2000 im Lustenauer Ried!

Beim Engelseminar hatten wir Uschi und Rudi, ein Ehepaar aus Deutschland kennengelernt. Mit ihnen verstanden. Von Uschi erhielten wir eine Aufzeichnung die sie in Verbindung mit der Geistigen Welt erstellt hatte. Sie schrieb mit geschlossenen Augen und konnte das Geschriebene nicht vollständig entziffern. Der Text war umschlossen von unzähligen kleinen, ganz feinen Schnörkeln, Spiralen und Kreisen. Genau dieselben Symbole die Ramona beim Telefonieren, beim „Träumen“, oder einfach „so“ immer wieder zu Papier gebracht hatte. Und dann noch ihr Schlusssatz: „alles ist gut …. sales monilein. Oh! Monilein, nur Michi hatte seine geliebte Schwester mit „Monilein“ angesprochen, und nur wenn er mit ihr allein war! Die Bedeutung von „sales“ war uns nicht klar.

Alle Durchsagen von Ramona haben sich bewahrheitet. Die einen früher, die anderen später. Die Geschehnisse, die intensiven Erlebnisse hatten zur Folge, dass wir unser „Denken“ änderten. Unsere Lebensweise änderte sich nach und nach. Für viele Menschen in unserem Umfeld war dies nicht nachvollziehbar. Zudem waren etliche mit der Art unserer Trauerarbeit überhaupt nicht einverstanden. Manche versuchten zu intervenieren, uns umzustimmen. Wir sollten uns der allgemeinen Meinung, der Tradition und allem was dazugehört beugen. Das tun was andere von uns erwarteten. Was „man“ eben zu tun hat. Doch wir blieben standhaft und gingen unserer Weg. Stets begleitet von Ramona, unserer wunderbaren Tochter.

Nach einigen Jahren die gekennzeichnet waren von massiven Veränderungen wie Krankheit, Firmenverkauf, Rückzug von meinen Eltern und einem Teil der Verwandten hatten wir das schlimmste überstanden. Wir spürten die Präsenz von Ramona zwar weniger oft, aber immer wieder intensiv. Wie oft habe ich bei ihr Rat geholt, wie oft hat sie mich getröstet, mir Mut zugesprochen. Unzählige Male!

Seit zwei, drei Jahren spüre ich die „Anwesenheit“, die Begleitung von Ramona wieder mehrmals am Tag. Je mehr ich, wir uns unserer Lebensaufgabe widmen desto näher ist Ramona bei uns. Unsere wunderbare Tochter Ramona! Danke! Danke! Danke!

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