Unsere Tochter Ramona Teil 2 - Erblühen

Nach der Absolvierung der Pflichtschule trat Ramona zur Aufnahmeprüfung an einer Höheren Schule an. Auf Grund ihrer bisherigen Lernerfolge und der sehr guten Noten sollte die Prüfung kein Problem für Ramona sein. Doch es kam anders. Sie schaffte die Prüfung nicht. Was sich in diesem Moment als Tragik darstellte entpuppte sich später als wunderbare Fügung. Anstatt die Höhere Schule zu besuchen begann Ramona die kaufmännische Lehre in unserem Unternehmen.

Ab diesem Zeitpunkt durften wir zwei – Vater und Tochter – nicht nur in der Familie sondern auch im Arbeitsleben viel Zeit miteinander verbringen. Zusammen zur Arbeit, miteinander arbeiten, zusammen nach Hause fahren. Wunderschön! Ramona lernte schnell und leicht. Bereits nach kurzer Zeit führte sie ihre Aufgaben freudig und selbständig durch. Ihr Aufgabenbereich wuchs. Durch ihr sonniges, herzliches Wesen war Ramona bei den Kunden und Mitarbeitern sehr beliebt. Jede der Mitarbeiterinnen unterstützte einen oder mehrere Verkaufsmitarbeiter. Ramona übernahm stets die schwierigen Mitarbeiter mit denen die anderen Sekretärinnen nicht klar kamen. Bei der Zusammenarbeit mit Ramona wandelten sich die Mitarbeiter und veränderten ihren Arbeits- und Umgangsstil zum Positiven.

In der Freizeit liebte Ramona ihren Freundeskreis, die Geselligkeit, die Partys. Dabei erzählte sie immer wieder über ihre Gespräche mit den anderen jungen Menschen. Offensichtlich war sie durch ihre offene, verständnisvolle Art als Gesprächspartnerin begehrt. Der enge Freundeskreis beschränkte sich auf zwei, drei Freundinnen. Einen Freund im herkömmlichen Sinn hatte sie nicht. Der Kontakt zur Familie war ihr enorm wichtig. Auch bei Verwandtschaftstreffen und natürlich bei jedem unserer Urlaube, unserer Reisen war sie mit dabei und das noch im Alter mit 22 Jahren. Ein Auszug aus der elterlichen Wohnung, aus dem Familienverband war für Ramona nie ein Thema, kam nicht in Frage.

Ramona bestand die Lehrabschlussprüfung mit Auszeichnung. Bald war sie im Büro auch Ansprechpartner bei kniffligen EDV-Fragen. Wenn jemand nicht mehr weiter wusste, Ramona fand stets die Lösung. Die Führerscheinprüfung stand an. Der theoretische Teil der Prüfung war für Ramona ein Kinderspiel. Ganz im Gegensatz zur definitiven Fahrprüfung. Zweimal fiel sie durch. Mit dem barschen Auftreten, der für sie negativen Ausstrahlung und der unfreundlichen Stimme der männlichen Fahrprüfer konnte sie nicht umgehen. Diesem Umstand galt es Abhilfe zu schaffen. Ich stellte mich als Fahrlehrer zur Verfügung und agierte wie mit ihr vereinbart barsch und unfreundlich. Nach einigen Testfahrten gewöhnte sich Ramona daran. Und prompt bestand sie die Fahrprüfung.

Nach Arbeitsschluss machte ich machte ich öfters gerne einen abendlichen Spaziergang. Die Lust mich zu begleiten hielt sich in der Familie in Grenzen. Nur Ramona war immer wieder dazu bereit und so spazierten wir – Vater und Tochter – zusammen. Stets unterhielten wir uns prächtig und genossen die Bewegung an der frischen Luft. Eines Tages sagte Ramona unvermittelt: „Papa, ich werde nicht alt!“ Sie sagte dies ohne jede sichtbare Emotion, jedoch mit umso größerer Bestimmtheit. Ich erschrak über ihre Worte. Dieser junge, kerngesunde, stets fröhliche, lebensfreudige Mensch mit dem sonnigen Gemüt tat solch einen Ausspruch! Rasch versuchte ich ihr diese „trüben“ Gedanken auszureden, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Meine eindringlichen Worte schienen sie nicht sonderlich zu berühren. Damals wusste ich nicht dass Ramona ihre Vorhaben, ihren Lebensplan so umsetzen würde wie sie mir das gerade gesagt hatte. Ich konnte die Tragweite nicht erkennen. Wie sollte ich auch!

In dieser Zeit hatten Irida und ich Kontakt zu einem Medium. Diese Frau konnte uns tatsächlich in vielen vermeintlich verzwickten Angelegenheiten im Geschäftsbereich weiterhelfen. Bei Fragen zur Familie erhielten wir Antworten die Lösungen ermöglichten und sich im Nachhinein als richtig erwiesen. Bei Fragen zu Ramona musste das Medium stets passen. Die Worte waren immer die gleichen: „bei Ramona sehe ich nichts, kann ich nichts erkennen!“ Was dieses „Nichts“ bedeutete sollten wir später erfahren.

Im Alter von 15 Jahren bemerkten wir Ramonas Interesse an spirituellen, außerweltlichen Dingen. Wir nahmen dies zur Kenntnis und waren der Meinung dies wäre eben ein Teil des Reifeprozesses vom Mädchen zur jungen Dame, zur Frau ist. Nach und nach wurde das Interesse stärker. Die von Ramona gestellten Fragen konnten zum damaligen Zeitpunkt weder von Irida noch ich zufriedenstellend beantworten. Von den unzähligen Gesprächen mit Ramona weiß speziell Irida zu berichten. Oft war Irida der Verzweiflung nahe, da Ramona immer wieder in ihre Welt abdriftete und nur reagierte wenn sie wollte. Nach unserer Meinung war dies eine normale wenn auch nicht ganz einfache Entwicklungsphase. Ein paar Monate vergingen und es schien es als ob diese Phase zu Ende wäre.

1997 wurde Irida durch Frauen aus unserem Bekannten- bzw. Freundeskreis auf ein Seminar aufmerksam gemacht. Um „Selbsterfahrung“ sollte es gehen und von Gila van Delden durchgeführt werden. Zum damaligen Zeitpunkt schien einiges aus dem Lot zu geraten. Sowohl mit Iridas Gesundheit als auch mit meiner Ursprungsfamilie. Zudem stellte ich die Sinnhaftigkeit meiner beruflichen Laufbahn immer mehr in Frage. Ein idealer Zeitpunkt das Seminar zu besuchen das zudem in unserer Nähe stattfand. Für Ramona war sofort klar: „da will ich dabei sein!“ Irida und Ramona besuchten das 3-tägige Wochenendseminar. Am Sonntagabend fuhr ich mit Michi zum Seminarort um Irida und Ramona abzuholen. Dabei sah ich, spürte ich erstmals die wunderbaren Energien die die Seminarteilnehmer buchstäblich verströmten. Irida und Ramona strahlten förmlich. Sie waren begeistert und unheimlich gut drauf. Zu Hause setzten sie sich auf die Couch. Ich setzte mich in die Mitte dazu. Ich spürte die wunderschönen Energien der Beiden und fühlte mich wohl, sehr wohl. Eine „einschneidende“ Erfahrung!

Bald darauf holte ich das Selbsterfahrungsseminar für mich nach. Danach folgten Seminare über Lichtarbeit, dann über Harmonie an denen Irida, Ramona und ich gemeinsam teilnahmen. Wunderschöne Erfahrungen für alle drei!  Täglich durften wir die Freude Ramonas mit der Familie, bei der Arbeit, mit ihren Freunden spüren und sehen. Ihre Gespräche mit Michi wurden intensiver. Bis heute haben Irida und ich nur Bruchstücke der Themen erfahren. So stark war die Verbindung der Geschwister.

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