Lebenslauf in Kurzform 1. Teil

Im Alter von sechs, sieben Jahren konnte ich nicht verstehen warum afrikanische Kinder nicht in den Himmel kommen. Was können sie dafür noch nie etwas vom Jesu-Kindlein gehört zu haben?

So habe ich mich gefragt. Diese Frage an meine Eltern oder gar an den Lehrer zu stellen habe ich mich nicht getraut. Lange Zeit hat mich diese Frage beschäftigt. Jesus und Gott und die Engel sind doch lieb! Und dann das? Nein, das wollte nicht in meinen Kopf.

Das katholische Umfeld trieb weitere Blüten. Deutlich spürte ich die Angst, die Beklemmung von Erwachsenen sobald religiöse Themen angesprochen wurden oder es sich um solche gehandelt hat. In der Schule lernten wir die Lehre von der Erbsünde kennen. Der Kaplan hat uns darüber unterrichtet und über alles was wir nicht tun dürfen, was Sünde ist. Als ruhiger, ja scheuer Schüler habe ich mich den Aussagen sehr schwer getan. Besonders das mit der Erbsünde konnte ich nicht verstehen. Warum sollte ein ungetauftes Baby nicht in den Himmel kommen dürfen? Warum sollte Gott so ungerecht sein? Warum straft er die kleinsten Vergehen? Sogar wenn meine Schwester mit mir streitet, wenn einmal mein Abendgebet vergesse, wenn ich einmal meinen Eltern nicht gefolgt habe? Fragen über Fragen. Und dazu der schwarz gekleidete Kaplan der nie lachte, der sogar eine schwarze viereckige Kappe getragen hat. Oh wie gruselig!

Besonders schlimm gestaltete sich das Beichten. Regelmäßig mussten wir zur Beichte! Einem unheimlichen Mann in einer engen, dunklen Kammer etwas über meine scheinbar sündigen Taten zu erzählen fiel mir schwer. Und dann noch in die Kirchenbank sitzen, bereuen und die Bußgebete sprechen! Wie froh war ich stets als diese Prozedur beendet war.

Nach und nach gewöhnte ich mich an die sonntäglichen Gottesdienste. Immer wieder eine Herausforderung sich eine Stunde ruhig zu verhalten, die langweiligen meist lateinischen Gesänge und Worte des Priesters zu hören. Eine Predigt über mich ergehen lassen deren Inhalt mich in keiner Weise interessierte. Und vor allem dauerte das Ganze immer so lange!

Ich war ein Schüler dem das Lernen leicht gefallen ist. Einen Beruf als Lehrer, Banker, Geschäftsführer, Händler ja sogar Priester konnte ich mir durchaus vorstellen. Obwohl ich mit den vielen Gegebenheiten der Kirche nicht klargekommen bin kam der Priesterberuf für mich in Frage.

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